Quelle: Bernhard Nürnberger: Der Gryllenkäfig, S. 138 - 147, Verlag der Universität der Künste Berlin, 2010
10. Kapitel
Die Grillenfänger
Assemblée generale des chimères
Collage grillischer Zitate von Plinius bis Lydia a. d. Netz
1. Ein- und VorRitt
Johann Fischart (oder das Parat unnd Bereytschlag, inn die Chronick vom Grandgoschier, Gurgellantual und Pantadurstlingern.) Ihr meine Schlampampische gute Schlucker, kurtzweilige Stall und Tafelbrüder: ihr Schlaftrunckene wolbesoffene Kautzen und Schnautzhän, ihr Landkündige und Landschlindige Wein Verderber unnd Banckbuben: Ihr Schnargarkische Angsterträher, Kutterufstorcken, Birpausen, und meine Zeckvollzepfige Domini Winholdi von Holwin: Ertzvilfraß lappscheisige Scheißhaußfüller unnd Abteckerische Zäpfleinlüller: Freßschnaufige Maulprocker, Collatzbäuch, Gargurgulianer: Grosprockschlindige Zipfler und Schmärrotzer: O ihr Latzdeckige Bäuch, die mit eim Kind essen, das ein Rotzige Nasen hat: ja den Löffel wider holt, den man euch hinder die thür würfft: Ja auch ihr Fußgrammige Kruckenstupfer, Stäbelherrn, Pfatengramische Kapaunen, händgratler, Badenwalfarter: Huderer, Gutschirer, Jarmeßbesucher, ihr Gargantztunige Geiermundler und Gurgelmänner, Butterbrater, safransucher, Meß und Marcktbesucher, Hochzeitschiffer, Auffhaspler, Gutverlämmerer, Vaterverderber, Schleitzer, Schultrabeiser: Und du mein Gartengeselschafft vom Rollwagen, vom Marckschiff, von der Spigeleulen, mit eueren sauberen ErndfreienHerbstsprüchen. Ihr Sontagsjüngherlin mit dem feyertäglichen angesicht, ihr Bursch und Marckstanten, Pflastertretter, Neuzeytungspäher, Zeitungverwetter, Naupentückische Nasen und Affenträher, Rauchverkeuffer, Geuchstecher, Blindmeuß und Hütlinspiler, Lichtscheue Augennebeler: Und ihr feine Verzuckerte Gallen und Pillulen, unnd Honiggebeitzte Spinnen. Sihe da, ihr feine Schnudelbutzen. Ihr Lungkitzlige Backenhalter unnd Wackenader, ihr Entenschnaderige, Langzüngige Krummschnäbel, Schwappelschwäble, die eym eyn Nuß vom Baum schwetzen: ihr Zuckerpapagoi, Hetzenamseler, Hetzenschwetzer, Starnstörer, Scherenschleiffer, Rorfincken, Kunckelstubische Gänsprediger, Schärstubner, Judasjagige Retscher, Waffelarten, Babeler und Babelarten, Fabelarten und Fabeler, von der Babilonischen Bauleut eynigkeyt. Ihr Hildenbrandsstreichige wilde Hummeln, Bäumaußreisser, Trotzteuffelsluckstellige Stichdenteuffel unnd Poppenschiser, die dem Teuffel ein horn außrauffen, unnd pulferhörnlein drau? schrauffen. Unnd endlich du mein Gassentrettendes Bulerbürstlein, das hin und wider umbschilet, und nach dem Holtz stincket, auch sonst nichts bessers thut, dann rote Nasen trincket, und an der Geysen elenbogen hincket. Ja kurtzumb du Gäuchhornigs unnd weichzornigs Haußvergessen Mann unnd Weibsvolck,sampt allem anderen dürstigen Gesindlein, denen der roh gefressen Narr noch auffstoset. Ihr all, sag ich noch einmal, verstaht mich wol, solt sampt und sonders hie sein meine liebe Schulerkindlein, euch wil ich zuschreiben diß mein fündlein, pfündlein und Pfründlein, euer sey diß Büchlin gar mit haut und haar, weil ich doch euer bin so par, Euch ist der Schilt außgehenckt, kehrt hie ein, hie würd gut Wein geschenckt: was lasset ihr lang den Hipenbuben vergebens schreien? Ich kan euch das Hirn erstäubern, Geraten ihr mir zu Zuhörern, so wird gewiß dort die Weißheit auff der Wegscheid umbsonst rufen. Demnach mir dann euer holdseligkeyt mit euerm anhang zu ehren erscheinen, so solt ihr zu eingang wissen, daß der Atenisch Krigsfürst Alkibiad in des Preyten Plautischen Oedipischen Platons gespräch, dessen überschrifft die Zech ist, als er under anderem sehr will loben seinen Lehrweiser Socrat, (welcher ohn alle einred und streit, aller Philosophen oder Gernklugen, der erste anführer war) spricht er, Er sey gleich unnd änlich gewesen den Schilenden Silenis oder Seullänen. Was ist aber das für ein Teuffel in der Höll, der also heist? Exspeckta auß der Taschen, Sileni, solt ihr mich verstehn, waren etwann die wundergestalte Gryllische, Gruben-grotteschische, fantästische krüg, läden, büchsen und häfen, wie wir sie heut in den Apotecken stehen sehen, von aussen bemalet mit lächerlichen, gecklichen, ja offt erschrecklichen Häu unnd Graßteuffeln, wie sie auß Pandore büchs fligen, unnd der Gryllen Römischen Mül stiben, gesellen die im hafen schlecken, und haben die Kertz im hindern stecken, wie sie Dantes inn der fegfeurigen Höllen beschreibet, Jott unnd Michelangel im Jüngsten Gericht malen, Olaische Mittnächtige Meerwunder, wie sie einem zu mitternacht inn der Fronfasten, wann man zu vil Bonen ißt, und am rucken ligt, fürkommen, Ovidische verformungen, Weinsauffende Gryllos unnd Apuleios, seltzame trachenschlund an den Canälen unnd Bronnrören, Midisch Königsoren, Ackteonisch Fürstenhörner: Leut, wie Megasten, Solin, Franck und Munster inn ihren Cosmographien gegen Morenland und Affrich versetzen und Colonisiren, als einfüsige Hasenjäger, einäugige Schützen, Brustgeköpffte Hundsköpff, die auff eim fuß Postiren, geruchlebige Leilachoren, geile Satyri und Geyßmänlin, Scherzengefider, Höllhacken, Charpie des Jupiters Vogelhund, fornen schön und lieb gestalt als Frauen, unnd hinden hön und dib mit klauen. Ja zu diesen Autentischen beschribenen Faßnachtbutzen suchen
sie noch Rumörischere Ladengezird, die eim allen Confect erleiden
solten, als gezeumt Vögel inn Planetenschlitten, Rappen inn Mönchskappen,
Kropfigel inn nadelbesteckten läzen auff schaltberen: Donnenköpff
mit beuchen der Eßlingischen Jungfrauen im hafenreff: Bemäntelt,
bestebt treifußgekrönte Widhopffen, die man mit lichtern
besteckt, auff der Mistbären daher träget. Wie zu Straßburg
im Mönster bei dem Chor an der seulen stehen, und im Bruderhof
über dem Keller, da ein Rephun einen Schatz verrhiet, gemalt zufinden.
Kändlinmeuler mit glockenhüten, wie der Gorgonisch
Römisch Medusenkopff. Geschleiert Gäns auff Pantoffeln, beprillet
und schulsack behenckt Esel auff steltzen, torweit zerflennend schußlöcher,
Carpatische hogerige Ofenkrucken, Brotmeyer, die den bauch im Schubkärchlin
führen, halb Pfaffen unnd halb Landsknecht, gehalbiert Menschen
vom Bischoff und Bader: krebs, die im schlitten zihen, darbei der spruch,
Es geht wie es mag: gehörnecht Hasen, Menschen mit Krebsnasen,
gesattelt Hund, fligend Hechsenböck, reutend Hirtz, kunden wie
man hinder Job und Sanct Töngis malet, in spilen unnd Mummereien
brauchet, inn Christofelgnosse seulen unnd gebeu hauet, auff die Pfäl
Malerträum, hülengrillen, wie dern mit der weil eyn gantz büchlin ins Rabelais Trollatischen treumen sollen außgehen, mit welchen dise Pulverkrämer Gaffleut für Kauffleut an sich ziehen können, und die vorgehende wie des Abisai Leib auffhalten, wie Gorgon vergestalten, den Bauren die mäuler auffsperren, machen daß die Mägd den Korb und Zuber müsen nidersetzen, die Frauen die Kinder vergessen, und alles gesind wie zur Regenspurgischen Walfahrt zu lauffen. Nun die Straß ist zu eim theil gebanet, ich versihe mich zu euerer köpffründe, ihr habt die Esilischen Silen, und Seulen verstanden. Jedoch möchten, glaub ich, meine Rebenhenslein unnd Weingänßlein leiden, daß ich es ihnen auff ihren schlag greiflicher erkläret: wolan, das muß auch also par geschehen. Wißt ihr nicht, wie ihr zu zeiten seit bei höflichen zechen gewesen, da man euch zu eim willkomm hat mit einer schönen Kälichfecundeten red ein schön großgebeuchet wunderfrembd geboßiret schrecklich trinckgeschir, welches die Latiner futile vas heisen, forgestellet, das man gleich alle teller unnd platten vor euch hat müsen wegraumen, unnd darnach wann man inn die sprüng kommen, die mutwilligste Geschirr herfür gesuchet. Als gepichte Armprost, Jungfrauschülin, silberbeschlagene Bundschuch, gewachtelt stiffel, Polnische Sackpfeiffen, Bären, Leyren, Lautenkübel, Kübel Narrenkappen, beknöpfft Tolchen, Windmülen, Sauärs, Lastwägen, Lastschiff, nackende Megdlein, Bübelein, Hänlin, Gißfasser, häfen, onruhige Lufftvogel gemese Dannzapffen, die nicht stehn Sine ponere, sonder gehn wollen, Fäusthämer, Weinfeurspeiende Büchsen, unnd andere dergleichen schöne muster. Ecce, das sind die Rechte Sulenen und Lenseulen und Eselen darauff Silenus reutet. Ein solcher Gryllus und Silenus, sagt Alcibiad, wer sein Preceptor Socrates. Wie so? Da so, Dann gleich wie solche Hanfgebutzte Apoteckergeschir und Weinbüchsen von ausen häßlich und greßlich überaußscheinen, unnd doch zu innerst mit herrlichem schleck und Confect seind geschicket unnd gespicket, von Balsam, Bisam, Latwergen, Sirup, Julep, Treseneien, und anderen kostbaren fantaseien, wie sie ins Reiffen gemusterter Abecedeck zufinden. Also wer auch der Weisest Lerer Socrat euserlichem schein nach von gestalt gering anzusehen, also das so du nach erstem anplick ein urtheil von ihm hetst sollen fellen, würdest ihne gleich so wol wie der Phisionomygaffer Zopyrus nicht einer Lorischen zwibelschelf oder Knoblauchsbutzen werd gehalten haben, so Bäurisch quartiert von leib war er, so Seeländisch lam von unfechterischen geberden, soFranciscanisch von zugespitzter Elennasen oder (wie etlich wöllen) Schafsnasen, mit eim glatzenden kopff, eingezogenem halß, haarigem nacken, darzu allzeit lachend, übersichtig und augensperrig wie ein Stier, dem gebunden seind alle vier, von sitten einfaltig, von Kleidung presthafftig, zu Weibern (Aber villeicht nit zum Alcibiad) unglückhafftig, im Regiment untauglich, tranck eim jeden so viel zu als eim andern, war mit allen überwerflich, redgeb unnd schimpflich, darmit er seinen hocherleuchten verstand decket glimpflich. Aber so du ihm hetst sollen in die Hertzbüchs hinein schauen, würdest ein Recht himmlischen unschetzbaren Indianischen geruch von edelem gewürtz gefület haben, ein mehrer dann Menschliche klugheit, ein unüberwindlichen standmut, unermeßliche nüchterkeit, gewißbestimte genügung, vollkommenen trost, vernünfftige geringachtung alles dessen, darumb jederman so tollgirig zabelt und grabelt, laufft und schnaufft, machet und wachet, kriegt und betrügt, wült und stilt, wandelt und handelt, fecht und recht und alle hertzbefridung verschmecht.
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2. Gryllen, Dichter & Gelehrte Vergil Scheußlicher Götter verworrnes Gezücht und
der Kläffer Anubis Horaz Wollte zum Kopf eines Menschen ein Maler den Hals eines Pferdes fügen und Gliedmaßen, von überall her zusammengelesen, mit buntem Gefieder bekleiden, so dass als Fisch von hässlicher Schwärze endet das oben so reizende Weib: könntet ihr da wohl, sobald man euch zur Besichtigung zuließ euch das Lachen verbeißen? Glaubt mir, Pisonen, solchem Ge-mälde wäre ein Buch ganz ähnlich, in dem man Bebilde, so nichtig wie Träume von Kranken, erdichtet, so dass, nicht Fuß und nicht Kopf derselben Gestalt angehören. “Und doch hatten Maler und Dichter seit je gleiche Freiheit, zu wagen, was sie nur wollen”. Ich weiß das und diese Gunst erbitte ich selbst und gewähre sie andern, aber nicht so, dass sich Grimm mit Sanftmut verbindet, nicht so, dass Schlangen mit paaren sichVögeln, und Lämmern mit Tigern. Vitruv aus den Akten des Der 867 n. Chr. ermordete byzantische Kaiser Michael III wurde postum
beschuldigt, zusam-men mit einer Gruppe von 11 Kumpanen Rieten und Gebräuche
der christliche Religion parodiert und beleidigt haben. Der Mimenanführer
der Schar der Freunde des Kaisers wird Gryllos ge-nannt. Dies bezeichnet
seine Funktion, sein Name ist Gottlieb, wie Pseudo-Symeon schreibt:
“jenen gottverhaßten Gottlieb (= Theophilos), der auch
Gryllos (hieß), welchen dieser äußerst Vasari zu Dieser nahm den Schild eines Tages vor ... und fing an nachzusinnen, was er wohl darauf malen könne, um den, der sich ihm entgegenstellte, zu erschrecken und dieselbe Wirkung hervor zu bringen, wie man ehedem vom Haupt der Medusa erzählt. Zu diesem Zweck brachte er nach seinem Zimmer, welches er allein betrat, Eidexen, Grillen, Schlangen, Schmetterlinge, Heuschrecken, Fledermäuse und andere seltsame Thiere dieser Art, und erbaute aus diesem wunderlichen Haufen durch verschiedene Zusammenstellungen ein grässliches und erschreckliches Unthier, gab ihm einen giftigen Athem und einen feurigen Dunstkreis, ... Vasari zu Niemanden wird es wundern, dass Michelangnolo die Einsamkeit liebte,
da er sich so ganz der Kunst ergeben hatte, die den Menschen für
sich und seine Gedanken allein haben will, und denen, die ihr sich widmen,
zu Pflicht macht, die Gesellschaft zu meiden, da, wer mit ihrer Betrachtung
sich beschäftigt, nie allein ist noch ohne Gedanken, und wer dies
für Grillenfängerei und Wunderlichkeit achtet,
hat sehr unrecht, da man, um etwas wahrhaft Gutes zu leisten, sich von
Sorge und Widerwillen fernhalten muß. Die Kunst heischt Nachdenken,
Einsamkeit und Gemächlichkeit und kann Zerstreuungen nicht meiden. Daher nahm Baccio, nachdem er neue Zeichnungen und Modell zu dem Geländer anfertigte, die ganze Seite bis an die Ecke des Bischeri in Angriff, aber Michelagnolo Buonarotti, der bei seiner Rückkehr von Rom sah, dass man bei Errichtung dieses Werkes die Verzahnung wegschnitt, welche Bruneleschi nicht ohne Grund hatte her-vorstehen lassen, erhob darüber solchen Lärm, dass man bei der Arbeit einhielt, denn er sagte, ihm dünke Baccio habe einen Grillen-Käfig daraus gemacht, so ein mächtiges Gebäude fordere etwas Groß-artigeres nach anderer Zeichnung mit mehrKunst und Anmuth ausgeführt, als Baccio’s Modell ihm zu haben scheine, und er wolle zeigen, was man dabei thun müsse. Und da hat er nun auch ein Modell gemacht, so wurde von diesen Künstlern und einsichtigen Bürgern vor dem Cardinal Julius von Medici lange über diese Sache disputiert, bis endlich weder das eine noch das andere zur Ausführung kam. Cellini Solche Arbeiten werden von den Unkundigen Grotesken genannt, welche Benennung sich von den Neueren herschreibt, indem die aufmerksamen Künstler in Rom in manchen unterirdischen Höhlen dergleichen Zieraten fanden, weil diese Orte ehemals als Zimmer, Stuben, Studien, Säle und sonst gebraucht wurden, nun aber, da durch den Ruin so großer Gebäude jene Teile in die Tiefe gekommen sind, gleichsam Höhlen zu sein scheinen, welche in Rom Grotten genannt werden; daher denn, wie gesagt, der Name Grotesken sich ableitet. Die Benennung aber ist nicht eigentlich. Denn wie die Alten sich vergnügten, Monstra zusammenzusetzen, indem sie die Gestalten der Ziegen, Kühe und Stuten verbanden, so sollten auch diese Verbindungen verschiedener Pflanzen- und Blätterarten Monstra und nicht Grotesken genannt werden. Felipe de Guevara 1560 Ich fand vor kurzem eine neue Malart, die man “grillo” nannte. Der Name war ihr von Antiphilos gegeben worden, der einen Menschen malte, den er zum Spaß Grillo nannte. Antiphilos wurde in Ägypten geboren und lernte dies malweise von Ktesidemos; sie schienen mir jener ähnlich zu sein, die unsere Epoche so sehr bei Bosch oder Bosco, wie wir sagen, lobt; Bosch war immer etwas ungewöhnlich dadurch, dass er wunderliche Personen und seltenen Situationen malte. Fonteo Vicino Orsini zum Sacro Bosco von Bomarzo Tu ch'entri qua con mente parte a parte et dimmi poi se tante meraviglie sien fatte per inganno o pur per arte "Du, der Du Stück für Stück mit Verstand hier hereinkommst, sage mir hinterher, ob so viele Wunder aus Täuschungsabsicht oder um der Kunst (bzw. um des Zaubers) willen gemacht worden sind".
Goethe zur Villa Palagonia
... Daß wir aber die Elemente der Tollheit des Prinzen
Palagonia vollständig überliefern, geben wir nachstehendes
Verzeichnis. Menschen: Bettler, Bettlerinnen, Sanier, Spanierinnen,
Mohren, Türken, Bucklige alle Arten Verwachsene, Zwerge, Musikanten,
Pulcinelle, antik kostümierte Soldaten, Götter, Göttinnen,
altfranzösische gekleidete Soldaten mit Patrontaschen und Gamaschen,
Mythologie mit fratzenhaften Zutaten: Achill und Chiron mit Pulcinell.
Tiere: nur Teile derselben, Pferd mit Menschenhänden, Pferdekopf
auf Menschenkörper, entstellte Affen, viele Drachen und Schlangen,
alle Arten von Pfoten an Figuren aller Art, Verdopplung,Verwechslungen
der Köpfe. Vasen: alle Arten von Monstern und Schnörkeln,
die unterwärts zu Vasenbäuchen und Untersetzen endigen. Denke
man sich nun dergleichen Figuren schockweise verfertigt und ganz ohne
Sinn und Verstand entsprungen, auch ohne Wahl und Absicht zusammengestellt,
denke man sich diesen Sockel, diese Piedestale und Unformen in einer
unabsehbaren Reihe, so wird man das unangenehme Gefühl mit empfinden,
das einen jeden überfallen muss, wenn er durch diese Spitzruten
des Wahnsinns durchgejagt wird. Bredekamp “Baltrusaitis geht in Unkenntnis der quel-lenkritischen Arbeit Binsfelds davon aus, durch Plinius alle Arten von Mischwesen und Monstren angesprochen seien; damit wird ihm, ohne dass dafür ein Beleg bei-zubringen wäre, die gesamte groteske Formwelt des Mittelalters zur “Gryllen-kunst”.” Hammerstaedt (1.) Veranschaulicht werden soll in dem Beispiel (...) durch die Größe
des Unterschieds zwischen Menschen-gestalten von höchster Schönheit
und abgrundtiefer Häßlichkeit, wie überdeutlich Rechtschaffene
und Sünder vor Gott als das erscheinen, was sie wirklich sind.
“Fest steht, daß der antike Terminus Gryllos
nicht die lächerlich verzerrte Karikatur eines bestimmten Originals,
oder wenigstens einer klar einzugrenzenden Gruppe, sondern unpersönliche
Darstellungen hässlicher, lächerlicher Menschengestalten bezeichnet,
... (...)
Das literarische Thema fantastischer Kreaturen und Grotesken führt
uns zu einer anderen Art von Ungeheuern, jenen Mischwesen, die unter
dem Namen grilli bekannt sind. Dieser Begriff erscheint
in der Naturgeschichte des Plinius, wo er humoristische Bilder bezeichnet,
wird aber auch im Zusammenhang mit Arcimboldis Kompositbildern verwendet.
In diesem Sinn kann der Begriff allgemein auf zusammengesetzte Bilder,
wie wir sie seit der Antike kennen,
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___________________________________________________________________________________________________________ Michelangelo
In einem Hautsack Ich bin wie jene Lumpen, Sebastian Franck (1541) er hat viel hummeln / Also sagt man /
Jean de la Fontaine Die Grille fiedelte und sang Adelung (1796) Anm. Im Dänischen Grille, im Schwed. Griller. Martinius und nach
ihm Wachter leiten dieses Wort von den Grillis, d.i. seltsamen Vorstellungen
der Römischen Künstler her, deren Plinius gedenkt, und B.
35, Kap. 10 von einem Mahler Antiphilo sagt: Idem jocoso nomine Gryllum
ridiculi habitus pinxit; unde hoc genus picturae grilli vocantur. S.
Grillenwerk. Ihre hat den glücklicher entdeckt, welches ihm desto
leichter war, da seine Muttersprache noch das Zeitwort graela hat, welches
graben bedeutet, so wie grafla das Diminutivum von grafwa, graben, ist,
und mit unserm Deutschen grübeln überein kommt. Eine Grille
bedeutet also eigentlich eine Grübeley, und diese Abstammung läßt
sich aus den Mundarten gar schön bestätigen. Im Nieders. hei?en
seltsame Einf‰lle, Grillen, Grappen, Grapjes, gleichfalls von
graben; ingleichen Grimpen, welches eigentlich ein Nahme der Gründlinge
ist, und ohne Zweifel einen ähnlichen Ursprung hat.
Ihr liebt und schreibt Sonette! Weh der Grille! Ich macht ihm deutlich, daß das Leben
So verwirret mit dumpf willkürlich verwebten Gestalten, Georg Friedrich Most (1843) Gemüt und Wille
Die Fehler des Erkenntnißvermögens sind entweder Gemüthsschwächen,
oder Gemüths-krankheiten. Die Krankheiten der Seele in Ansehung
des Erkenntnißvermögens lassen sich unter zwei Hauptgattungen
bringen. Die eine ist die Grillenkrankheit (Hypochondrie) und die andere
das gestörte Gemüth (Manie).
(Metamorphose) Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigeTräumen aufwachte,
fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.
Er lag auf seinem panzerartig harten Rücken und sah, wenn er den
Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen
Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen Höhe sich die Bettdecke,
zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte.
Seine vielen, im Vergleich zum sonstigen Umfang kläglich dünnen
Beine flimmerten ihm hilflos vor den Augen.. (...) “Ach Gott”,
dachte er, “was für einen anstrengenden Beruf habe ich gewählt!
Tagaus, tagein auf der Reise. [...] Der Teufel soll das alles holen!”
Er fühlte ein leichtes Jucken oben auf dem Bauch; schob sich auf
dem Rücken langsam näher zum Bettpfosten, um den Kopf besser
heben zu können; fand die juckende Stelle, die mit lauter kleinen
Pünktchen besetzt war, die er nicht zu beurteilen verstand; und
wollte mit einem Bein die Stelle betasten, zog es aber gleich zurück,
denn bei der Berührung umwehten ihn Kälteschauer. Andy Warhol 1975 Ich arbeite gern mit Sachen, die irgendwie übrig geblieben und in Vergessenheit geraten sind. Für diese leftovers habe ich eine Vorliebe. Ich habe schon immer gedacht, dass hinter den beiseite gelegten Resten, die keiner mehr haben will, etwas Lustiges stecken könnte.
Lydia aus dem Netz (2008) Hallo zusammen, im August habe ich - für meine Spiderlinge - entsprechendes
Zwergenfutter gebraucht und wollte Microsteppengrillen.
Leider gab es nur noch kleine Heimchen, die ich dann
halt genommen habe. Nun hat sich gezeigt, dass die Kleinen überaus
gut gedeihen. Im Gegensatz zu den Steppengrillen, die mir relativ schnell
weggestorben sind, sind die Heimchen nahezu un-verwüstlich. Ein
weibliches Getier habe ich vorhin im Badezimmer eingefangen. Heute Morgen
höre ich meinen Mann in der Küche: "Mensch, jetzt hockt
so ein Kerl schon hinter meinem Kühlschrank und brüllt!".
Der brüllende Kerl ist ein zirpendes Männchen. Hat schon was,
seinen Morgenkaffee im Dunkeln (4.45 h) unter Grillenklängen
zu genießen! Also nochmal kürzer: in unserer Bude grillt
es wie wild! Ähm,die Flaschen-Heimchenfalle habe
ich in der Küche ausgelegt. Aber ich denke, ich hole noch Klebefallen
dazu. Die Katze ist fast 17 Jahre alt und zwinkert nur noch müde,
wenn was vorbei hüpft, fällt also aus als Heimchenfanggetier.
Meine eigentliche Angst sind auch nicht fünf oder sechs oder auch
zehn entfleuchte Heimchen sondern die Sorge: Vermehren die sich in meiner
Wohnung??? Ich hoffe, es gibt eine überzeugende, beruhigende Antwort!
Ich denke,das Prinzip ist bekannt. |
4.deinde cessavit ars
