Quelle: Bernhard Nürnberger: Der Gryllenkäfig, S. 138 - 147, Verlag der Universität der Künste Berlin, 2010

10. Kapitel

Die Grillenfänger

Assemblée generale des chimères

Collage grillischer Zitate von Plinius bis Lydia a. d. Netz

 

1. Ein- und VorRitt

Johann Fischart

(oder das Parat unnd Bereytschlag, inn die Chronick vom Grandgoschier, Gurgellantual und Pantadurstlingern.)

Ihr meine Schlampampische gute Schlucker, kurtzweilige Stall und Tafelbrüder: ihr Schlaftrunckene wolbesoffene Kautzen und Schnautzhän, ihr Landkündige und Landschlindige Wein Verderber unnd Banckbuben: Ihr Schnargarkische Angsterträher, Kutterufstorcken, Birpausen, und meine Zeckvollzepfige Domini Winholdi von Holwin: Ertzvilfraß lappscheisige Scheißhaußfüller unnd Abteckerische Zäpfleinlüller: Freßschnaufige Maulprocker, Collatzbäuch, Gargurgulianer: Grosprockschlindige Zipfler und Schmärrotzer: O ihr Latzdeckige Bäuch, die mit eim Kind essen, das ein Rotzige Nasen hat: ja den Löffel wider holt, den man euch hinder die thür würfft: Ja auch ihr Fußgrammige Kruckenstupfer, Stäbelherrn, Pfatengramische Kapaunen, händgratler, Badenwalfarter: Huderer, Gutschirer, Jarmeßbesucher, ihr Gargantztunige Geiermundler und Gurgelmänner, Butterbrater, safransucher, Meß und Marcktbesucher, Hochzeitschiffer, Auffhaspler, Gutverlämmerer, Vaterverderber, Schleitzer, Schultrabeiser: Und du mein Gartengeselschafft vom Rollwagen, vom Marckschiff, von der Spigeleulen, mit eueren sauberen ErndfreienHerbstsprüchen. Ihr Sontagsjüngherlin mit dem feyertäglichen angesicht, ihr Bursch und Marckstanten, Pflastertretter, Neuzeytungspäher, Zeitungverwetter, Naupentückische Nasen und Affenträher, Rauchverkeuffer, Geuchstecher, Blindmeuß und Hütlinspiler, Lichtscheue Augennebeler: Und ihr feine Verzuckerte Gallen und Pillulen, unnd Honiggebeitzte Spinnen. Sihe da, ihr feine Schnudelbutzen. Ihr Lungkitzlige Backenhalter unnd Wackenader, ihr Entenschnaderige, Langzüngige Krummschnäbel, Schwappelschwäble, die eym eyn Nuß vom Baum schwetzen: ihr Zuckerpapagoi, Hetzenamseler, Hetzenschwetzer, Starnstörer, Scherenschleiffer, Rorfincken, Kunckelstubische Gänsprediger, Schärstubner, Judasjagige Retscher, Waffelarten, Babeler und Babelarten, Fabelarten und Fabeler, von der Babilonischen Bauleut eynigkeyt. Ihr Hildenbrandsstreichige wilde Hummeln, Bäumaußreisser, Trotzteuffelsluckstellige Stichdenteuffel unnd Poppenschiser, die dem Teuffel ein horn außrauffen, unnd pulferhörnlein drau? schrauffen. Unnd endlich du mein Gassentrettendes Bulerbürstlein, das hin und wider umbschilet, und nach dem Holtz stincket, auch sonst nichts bessers thut, dann rote Nasen trincket, und an der Geysen elenbogen hincket. Ja kurtzumb du Gäuchhornigs unnd weichzornigs Haußvergessen Mann unnd Weibsvolck,sampt allem anderen dürstigen Gesindlein, denen der roh gefressen Narr noch auffstoset.

Ihr all, sag ich noch einmal, verstaht mich wol, solt sampt und sonders hie sein meine liebe Schulerkindlein, euch wil ich zuschreiben diß mein fündlein, pfündlein und Pfründlein, euer sey diß Büchlin gar mit haut und haar, weil ich doch euer bin so par, Euch ist der Schilt außgehenckt, kehrt hie ein, hie würd gut Wein geschenckt: was lasset ihr lang den Hipenbuben vergebens schreien? Ich kan euch das Hirn erstäubern, Geraten ihr mir zu Zuhörern, so wird gewiß dort die Weißheit auff der Wegscheid umbsonst rufen.

Demnach mir dann euer holdseligkeyt mit euerm anhang zu ehren erscheinen, so solt ihr zu eingang wissen, daß der Atenisch Krigsfürst Alkibiad in des Preyten Plautischen Oedipischen Platons gespräch, dessen überschrifft die Zech ist, als er under anderem sehr will loben seinen Lehrweiser Socrat, (welcher ohn alle einred und streit, aller Philosophen oder Gernklugen, der erste anführer war) spricht er, Er sey gleich unnd änlich gewesen den Schilenden Silenis oder Seullänen. Was ist aber das für ein Teuffel in der Höll, der also heist?

Exspeckta auß der Taschen, Sileni, solt ihr mich verstehn, waren etwann die wundergestalte Gryllische, Gruben-grotteschische, fantästische krüg, läden, büchsen und häfen, wie wir sie heut in den Apotecken stehen sehen, von aussen

bemalet mit lächerlichen, gecklichen, ja offt erschrecklichen Häu unnd Graßteuffeln, wie sie auß Pandore büchs fligen, unnd der Gryllen Römischen Mül stiben, gesellen die im hafen schlecken, und haben die Kertz im hindern stecken, wie sie Dantes inn der fegfeurigen Höllen beschreibet, Jott unnd Michelangel im Jüngsten Gericht malen, Olaische Mittnächtige Meerwunder, wie sie einem zu mitternacht inn der Fronfasten, wann man zu vil Bonen ißt, und am rucken ligt, fürkommen, Ovidische verformungen, Weinsauffende Gryllos unnd Apuleios, seltzame trachenschlund an den Canälen unnd Bronnrören, Midisch Königsoren, Ackteonisch Fürstenhörner: Leut, wie Megasten, Solin, Franck und Munster inn ihren Cosmographien gegen Morenland und Affrich versetzen und Colonisiren, als einfüsige Hasenjäger, einäugige Schützen, Brustgeköpffte Hundsköpff, die auff eim fuß Postiren, geruchlebige Leilachoren, geile Satyri und Geyßmänlin, Scherzengefider, Höllhacken, Charpie des Jupiters Vogelhund, fornen schön und lieb gestalt als Frauen, unnd hinden hön und dib mit klauen.

Ja zu diesen Autentischen beschribenen Faßnachtbutzen suchen sie noch Rumörischere Ladengezird, die eim allen Confect erleiden solten, als gezeumt Vögel inn Planetenschlitten, Rappen inn Mönchskappen, Kropfigel inn nadelbesteckten läzen auff schaltberen: Donnenköpff mit beuchen der Eßlingischen Jungfrauen im hafenreff: Bemäntelt, bestebt treifußgekrönte Widhopffen, die man mit lichtern besteckt, auff der Mistbären daher träget. Wie zu Straßburg im Mönster bei dem Chor an der seulen stehen, und im Bruderhof über dem Keller, da ein Rephun einen Schatz verrhiet, gemalt zufinden. Kändlinmeuler mit glockenhüten, wie der Gorgonisch Römisch Medusenkopff. Geschleiert Gäns auff Pantoffeln, beprillet und schulsack behenckt Esel auff steltzen, torweit zerflennend schußlöcher, Carpatische hogerige Ofenkrucken, Brotmeyer, die den bauch im Schubkärchlin führen, halb Pfaffen unnd halb Landsknecht, gehalbiert Menschen vom Bischoff und Bader: krebs, die im schlitten zihen, darbei der spruch, Es geht wie es mag: gehörnecht Hasen, Menschen mit Krebsnasen, gesattelt Hund, fligend Hechsenböck, reutend Hirtz, kunden wie man hinder Job und Sanct Töngis malet, in spilen unnd Mummereien brauchet, inn Christofelgnosse seulen unnd gebeu hauet, auff die Pfäl
für Vogelscheuen
stellet, für gerems und compartement auf täppich stricket, damit man die Kinder schweiget, und andere dergleichen

Malerträum, hülengrillen,

wie dern mit der weil eyn gantz büchlin ins Rabelais Trollatischen treumen sollen außgehen, mit welchen dise Pulverkrämer Gaffleut für Kauffleut an sich ziehen können, und die vorgehende wie des Abisai Leib auffhalten, wie Gorgon vergestalten, den Bauren die mäuler auffsperren, machen daß die Mägd den Korb und Zuber müsen nidersetzen, die Frauen die Kinder vergessen, und alles gesind wie zur Regenspurgischen Walfahrt zu lauffen.

Nun die Straß ist zu eim theil gebanet, ich versihe mich zu euerer köpffründe, ihr habt die Esilischen Silen, und Seulen verstanden. Jedoch möchten, glaub ich, meine Rebenhenslein unnd Weingänßlein leiden, daß ich es ihnen auff ihren schlag greiflicher erkläret: wolan, das muß auch also par geschehen. Wißt ihr nicht, wie ihr zu zeiten seit bei höflichen zechen gewesen, da man euch zu eim willkomm hat mit einer schönen Kälichfecundeten red ein schön großgebeuchet wunderfrembd geboßiret schrecklich trinckgeschir, welches die Latiner futile vas heisen, forgestellet, das man gleich alle teller unnd platten vor euch hat müsen wegraumen, unnd darnach wann man inn die sprüng kommen, die mutwilligste Geschirr herfür gesuchet. Als gepichte Armprost, Jungfrauschülin, silberbeschlagene Bundschuch, gewachtelt stiffel, Polnische Sackpfeiffen, Bären, Leyren, Lautenkübel, Kübel Narrenkappen, beknöpfft Tolchen, Windmülen, Sauärs, Lastwägen, Lastschiff, nackende Megdlein, Bübelein, Hänlin, Gißfasser, häfen, onruhige Lufftvogel gemese Dannzapffen, die nicht stehn Sine ponere, sonder gehn wollen, Fäusthämer, Weinfeurspeiende Büchsen, unnd andere dergleichen schöne muster. Ecce, das sind die Rechte Sulenen und Lenseulen und Eselen darauff Silenus reutet.

Ein solcher Gryllus und Silenus, sagt Alcibiad, wer sein Preceptor Socrates. Wie so? Da so, Dann gleich wie solche Hanfgebutzte Apoteckergeschir und Weinbüchsen von ausen häßlich und greßlich überaußscheinen, unnd doch zu innerst mit herrlichem schleck und Confect seind geschicket unnd gespicket, von Balsam, Bisam, Latwergen, Sirup, Julep, Treseneien, und anderen kostbaren fantaseien, wie sie ins Reiffen gemusterter Abecedeck zufinden. Also wer auch der Weisest Lerer Socrat euserlichem schein nach von gestalt gering anzusehen, also das so du nach erstem anplick ein urtheil von ihm hetst sollen fellen, würdest ihne gleich so wol wie der Phisionomygaffer Zopyrus nicht einer Lorischen zwibelschelf oder Knoblauchsbutzen werd gehalten haben, so Bäurisch quartiert von leib war er, so Seeländisch lam von unfechterischen geberden, soFranciscanisch von zugespitzter Elennasen oder (wie etlich wöllen) Schafsnasen, mit eim glatzenden kopff, eingezogenem halß, haarigem nacken, darzu allzeit lachend, übersichtig und augensperrig wie ein Stier, dem gebunden seind alle vier, von sitten einfaltig, von Kleidung presthafftig, zu Weibern (Aber villeicht nit zum Alcibiad) unglückhafftig, im Regiment untauglich, tranck eim jeden so viel zu als eim andern, war mit allen überwerflich, redgeb unnd schimpflich, darmit er seinen hocherleuchten verstand decket glimpflich. Aber so du ihm hetst sollen in die Hertzbüchs hinein schauen, würdest ein Recht himmlischen unschetzbaren Indianischen geruch von edelem gewürtz gefület haben, ein mehrer dann Menschliche klugheit, ein unüberwindlichen standmut, unermeßliche nüchterkeit, gewißbestimte genügung, vollkommenen trost, vernünfftige geringachtung alles dessen, darumb jederman so tollgirig zabelt und grabelt, laufft und schnaufft, machet und wachet, kriegt und betrügt, wült und stilt, wandelt und handelt, fecht und recht und alle hertzbefridung verschmecht.

 
 

2. Gryllen, Dichter & Gelehrte

Vergil

Scheußlicher Götter verworrnes Gezücht und der Kläffer Anubis
Heben die Wehr hier gegen Neptun, Minerva und Venus.

Horaz
Humano capiti cervicem pictor equinam
iungere si velit et varias inducere plumas
undique conlatis membris, ut turpiter atrumdesinat in piscem mulier formosa superne, spectatum admissi risum teneatis, amici?

Wollte zum Kopf eines Menschen ein Maler den Hals eines Pferdes fügen und Gliedmaßen, von überall her zusammengelesen, mit buntem Gefieder bekleiden, so dass als Fisch von hässlicher Schwärze endet das oben so reizende Weib: könntet ihr da wohl, sobald man euch zur Besichtigung zuließ euch das Lachen verbeißen? Glaubt mir, Pisonen, solchem Ge-mälde wäre ein Buch ganz ähnlich, in dem man Bebilde, so nichtig wie Träume von Kranken, erdichtet, so dass, nicht Fuß und nicht Kopf derselben Gestalt angehören. “Und doch hatten Maler und Dichter seit je gleiche Freiheit, zu wagen, was sie nur wollen”. Ich weiß das und diese Gunst erbitte ich selbst und gewähre sie andern, aber nicht so, dass sich Grimm mit Sanftmut verbindet, nicht so, dass Schlangen mit paaren sichVögeln, und Lämmern mit Tigern.

Vitruv
... auf den Verputz malt man lieber Ungeheuerlichkeiten als naturgetreue Nachbildungen. An die Stelle von Säulen setzt man kannelierte Rohrstengel, anstelle von Dachgiebeln appagineculi mit gekräuselten Blättern und Voluten, ferner Lampenständer, die die gebilde kleiner Tempel tragen, über deren Giebel sich zarte Blumen aus Wurzeln und Voluten erheben, auf denen sinnlos kleine Figuern sitzen,... Wie kann nämlich ein Rohr, ein Dach oder ein Lampenständer den Schmuck eines Giebels oder ein so zarter und biegsamer Stengel ein darauf sitzendes Figurchen tragen, oder wie können aus Wurzeln und Stengeln balb Blumen, hald Halbfiguren hervorsprießen?

aus den Akten des
konstantinopolitanischen Konzils
von 869/70

Der 867 n. Chr. ermordete byzantische Kaiser Michael III wurde postum beschuldigt, zusam-men mit einer Gruppe von 11 Kumpanen Rieten und Gebräuche der christliche Religion parodiert und beleidigt haben. Der Mimenanführer der Schar der Freunde des Kaisers wird Gryllos ge-nannt. Dies bezeichnet seine Funktion, sein Name ist Gottlieb, wie Pseudo-Symeon schreibt: “jenen gottverhaßten Gottlieb (= Theophilos), der auch Gryllos (hieß), welchen dieser äußerst
unerzogene Gebieter seinen eigenen Patriarchen nannte” (t/n yeomi!_ Ye“filon ßkeõnon t/n kaã Gr llon, _n _ Èpaideut“tatow o_tow Ínaj ádion patri„rxhn ªn“mazen).
Während der Sakrilegien und “der Schandtaten im Zusammenhang mit dem allerschändlichsten Gryllos und Pseudopatriarchen” (t´n perã t/n afi!xr“taton grÀlon kaã ceudopatri„rxhn afi!xrourgi´n) wurde gesungen und Kithara gespielt. (nach Hammerstaedt)

Vasari zu
Lionardo

Dieser nahm den Schild eines Tages vor ... und fing an nachzusinnen, was er wohl darauf malen könne, um den, der sich ihm entgegenstellte, zu erschrecken und dieselbe Wirkung hervor zu bringen, wie man ehedem vom Haupt der Medusa erzählt. Zu diesem Zweck brachte er nach seinem Zimmer, welches er allein betrat, Eidexen, Grillen, Schlangen, Schmetterlinge, Heuschrecken, Fledermäuse und andere seltsame Thiere dieser Art, und erbaute aus diesem wunderlichen Haufen durch verschiedene Zusammenstellungen ein grässliches und erschreckliches Unthier, gab ihm einen giftigen Athem und einen feurigen Dunstkreis, ...

Vasari zu
Michelangelo

Niemanden wird es wundern, dass Michelangnolo die Einsamkeit liebte, da er sich so ganz der Kunst ergeben hatte, die den Menschen für sich und seine Gedanken allein haben will, und denen, die ihr sich widmen, zu Pflicht macht, die Gesellschaft zu meiden, da, wer mit ihrer Betrachtung sich beschäftigt, nie allein ist noch ohne Gedanken, und wer dies für Grillenfängerei und Wunderlichkeit achtet, hat sehr unrecht, da man, um etwas wahrhaft Gutes zu leisten, sich von Sorge und Widerwillen fernhalten muß. Die Kunst heischt Nachdenken, Einsamkeit und Gemächlichkeit und kann Zerstreuungen nicht meiden.

Vasari zu
Baccio und Michelangelo

Daher nahm Baccio, nachdem er neue Zeichnungen und Modell zu dem Geländer anfertigte, die ganze Seite bis an die Ecke des Bischeri in Angriff, aber Michelagnolo Buonarotti, der bei seiner Rückkehr von Rom sah, dass man bei Errichtung dieses Werkes die Verzahnung wegschnitt, welche Bruneleschi nicht ohne Grund hatte her-vorstehen lassen, erhob darüber solchen Lärm, dass man bei der Arbeit einhielt, denn er sagte, ihm dünke Baccio habe einen Grillen-Käfig daraus gemacht, so ein mächtiges Gebäude fordere etwas Groß-artigeres nach anderer Zeichnung mit mehrKunst und Anmuth ausgeführt, als Baccio’s Modell ihm zu haben scheine, und er wolle zeigen, was man dabei thun müsse. Und da hat er nun auch ein Modell gemacht, so wurde von diesen Künstlern und einsichtigen Bürgern vor dem Cardinal Julius von Medici lange über diese Sache disputiert, bis endlich weder das eine noch das andere zur Ausführung kam.

Cellini

Solche Arbeiten werden von den Unkundigen Grotesken genannt, welche Benennung sich von den Neueren herschreibt, indem die aufmerksamen Künstler in Rom in manchen unterirdischen Höhlen dergleichen Zieraten fanden, weil diese Orte ehemals als Zimmer, Stuben, Studien, Säle und sonst gebraucht wurden, nun aber, da durch den Ruin so großer Gebäude jene Teile in die Tiefe gekommen sind, gleichsam Höhlen zu sein scheinen, welche in Rom Grotten genannt werden; daher denn, wie gesagt, der Name Grotesken sich ableitet. Die Benennung aber ist nicht eigentlich. Denn wie die Alten sich vergnügten, Monstra zusammenzusetzen, indem sie die Gestalten der Ziegen, Kühe und Stuten verbanden, so sollten auch diese Verbindungen verschiedener Pflanzen- und Blätterarten Monstra und nicht Grotesken genannt werden.

Felipe de Guevara 1560

Ich fand vor kurzem eine neue Malart, die man “grillo” nannte. Der Name war ihr von Antiphilos gegeben worden, der einen Menschen malte, den er zum Spaß Grillo nannte. Antiphilos wurde in Ägypten geboren und lernte dies malweise von Ktesidemos; sie schienen mir jener ähnlich zu sein, die unsere Epoche so sehr bei Bosch oder Bosco, wie wir sagen, lobt; Bosch war immer etwas ungewöhnlich dadurch, dass er wunderliche Personen und seltenen Situationen malte.

Fonteo
Polygnotus überragend durch die Erfindung der Farbe, der Maler Pyrrhus durch die Erfindung der Linien, Gyges überragend urch die Erfindung der Schatten, Guiseppe Arcimboldo überragend durch die Erfindung der Grillen und Chimären.
(Josippus arcimboldus insignis inventione gryllorum sive chymerarum.) Volebat pictor Picturae, per grillum solet exprimere, hoc est, ex instrumentis et rebus ad ipsam pertinentibus conficere. ...apellantur Grilli huiusmodi Arcimboldiane. Der Maler wollte mit Hilfe der Grille das Bild in der Malerei ausdrücken, wie er sie gewohnt war, das heißt, aus den Instrumenten und Sachen anfertigen,die jenem eigen sind.

Vicino Orsini

zum Sacro Bosco von Bomarzo

Tu ch'entri qua con mente parte a parte et dimmi poi se tante meraviglie sien fatte per inganno o pur per arte

"Du, der Du Stück für Stück mit Verstand hier hereinkommst, sage mir hinterher, ob so viele Wunder aus Täuschungsabsicht oder um der Kunst (bzw. um des Zaubers) willen gemacht worden sind".

Goethe

zur Villa Palagonia

... Daß wir aber die Elemente der Tollheit des Prinzen Palagonia vollständig überliefern, geben wir nachstehendes Verzeichnis. Menschen: Bettler, Bettlerinnen, Sanier, Spanierinnen, Mohren, Türken, Bucklige alle Arten Verwachsene, Zwerge, Musikanten, Pulcinelle, antik kostümierte Soldaten, Götter, Göttinnen, altfranzösische gekleidete Soldaten mit Patrontaschen und Gamaschen, Mythologie mit fratzenhaften Zutaten: Achill und Chiron mit Pulcinell. Tiere: nur Teile derselben, Pferd mit Menschenhänden, Pferdekopf auf Menschenkörper, entstellte Affen, viele Drachen und Schlangen, alle Arten von Pfoten an Figuren aller Art, Verdopplung,Verwechslungen der Köpfe. Vasen: alle Arten von Monstern und Schnörkeln, die unterwärts zu Vasenbäuchen und Untersetzen endigen. Denke man sich nun dergleichen Figuren schockweise verfertigt und ganz ohne Sinn und Verstand entsprungen, auch ohne Wahl und Absicht zusammengestellt, denke man sich diesen Sockel, diese Piedestale und Unformen in einer unabsehbaren Reihe, so wird man das unangenehme Gefühl mit empfinden, das einen jeden überfallen muss, wenn er durch diese Spitzruten des Wahnsinns durchgejagt wird.

Bredekamp

“Baltrusaitis geht in Unkenntnis der quel-lenkritischen Arbeit Binsfelds davon aus, durch Plinius alle Arten von Mischwesen und Monstren angesprochen seien; damit wird ihm, ohne dass dafür ein Beleg bei-zubringen wäre, die gesamte groteske Formwelt des Mittelalters zur “Gryllen-kunst”.”

Hammerstaedt

(1.) Veranschaulicht werden soll in dem Beispiel (...) durch die Größe des Unterschieds zwischen Menschen-gestalten von höchster Schönheit und abgrundtiefer Häßlichkeit, wie überdeutlich Rechtschaffene und Sünder vor Gott als das erscheinen, was sie wirklich sind. “Fest steht, daß der antike Terminus Gryllos nicht die lächerlich verzerrte Karikatur eines bestimmten Originals, oder wenigstens einer klar einzugrenzenden Gruppe, sondern unpersönliche Darstellungen hässlicher, lächerlicher Menschengestalten bezeichnet, ... (...)
Lächerlich verzerrte Figürchen eines pompeianischen Wandfrieses aus der zweiten Hälfte des 1. Jh. v. Chr., die Maiuri in die Tradition der Grylloi des Antiphilos stellte, parodieren mythische Szenen, Heroen und Götter. (...) Dass sie keine bestimmte Person, sondern die Hässlichkeit und Winzigkeit im Allgemeinen darstellen, lässt diese lustigen Figuren ebenso wie manche Tiergestalten, vor allem die Affen, und wie die Pygmäen für die Parodie nobler Themen und die scherzhafte Kontrastierung ihrer kleinen Gestalt mit den gewöhnlichen Größenverhältnissen so geeignet erscheinen.”


Da Costa Kaufmann

Das literarische Thema fantastischer Kreaturen und Grotesken führt uns zu einer anderen Art von Ungeheuern, jenen Mischwesen, die unter dem Namen grilli bekannt sind. Dieser Begriff erscheint in der Naturgeschichte des Plinius, wo er humoristische Bilder bezeichnet, wird aber auch im Zusammenhang mit Arcimboldis Kompositbildern verwendet. In diesem Sinn kann der Begriff allgemein auf zusammengesetzte Bilder, wie wir sie seit der Antike kennen,
angewandt werden. Diese kommen vor allem auf antiken Juwelen vor, insbesondere in der Form geschnittener Gemmen und Kameen, auf den verschiedene menschliche und tierische Formen oder Ungeheuer, mitunter auch Köpfe dargestellt sind. Manch solcher grilli sind umkehrbar, so dass die Darstellung von der einen oder anderen Seite, das heißt: wenn man die Gemme umdreht oder auf den Kopf stellt, betrachtet werden kann.


 

 

 



3. Kopfgrillen und Grillenfänger

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Michelangelo


Ich bin gebrochen,
ausgehöhlt und Glieder lahm
von meinen langen Arbeiten,
und das Gasthaus,
zu dem ich unterwegs bin,
um in Gemeinschaft zu wohnen
und zu Essen,
ist der Tod...

In einem Hautsack
voll Knochen und Nerven
halte ich eine surrende Wespe gefangen
und in einem Kanal
bleiben mir drei Sterne aus Pech.
Mein Gesicht gleicht einer Vogelscheuche.

Ich bin wie jene Lumpen,
die man in Tagen der Trockenheit
auf die Felder breitet
und die genügen,
Raben zu vertreiben.
In einem meiner Ohren läuft eine Spinne,
im anderen singt eine Grille
die ganze Nacht hindurch.
Beengt von meinem Kartharr
Kann ich weder schlafen noch schnarchen.

Sebastian Franck (1541)

er hat viel hummeln /
mucken / tauben / meu? / meu?nester /
oder grillen im kopff.

Also sagt man /
wann einem das hirn sinckt /
Es ist besengt / besteubt /
er ist halb und halb /
ein seltsamer grillenmeyr.


•••

Jean de la Fontaine

Die Grille fiedelte und sang
den ganzen Sommer lang.

Schlecht bekam dem Leichtfuß dies,
als der kalte Nordwind blies.
Keine Fliege gab es mehr,
nicht ein Würmchen zum Verzehr.
Hungernd kam sie zur Ameise,
bettelnd um ein wenig Speise,
quälte sie mit Wehgeschrei,
daß sie etwas Korn ihr leih,
nur soviel, wie nötig wäre,
bis der Sommer wiederkehre.
Und sie schwor: “Bei meiner Treu!
Eh der nächste Herbst vorbei,
zahl ich alles Stück um Stück
dir sogar mit Zins zurück!"
Nun, nicht gern borgt die Ameise,
fragte drum: “Auf welche Weise
brachtest du den Sommer hin?"
“Schimpf nicht!" - sprach die Borgerin -
“hab mit Singen mich ergötzt." -
“So, du sangst? Dann tanze jetzt!"

Adelung (1796)
Grille f. Der Name mehrerer zirpender, zu den Heuschrecken zählenden Insekten lautet ahd. grillo (10. Jh.), mhd. grille, fr¸hnhd. (und später noch obd.) Grill; m., seit dem 15. Jh., wohl auf Grund der Pluralform, daneben Grille, f. Diese Bezeichnung, die sich vom S¸den her ausbreitet und bodenständiges Heimchen (s. d.) zurückdrängt, beruht auf Entlehnung von gleichbed. lat. grillus, gryllus. Das lateinische Substantiv, das meist als Übernahme aus dem Griechischen angesehen wird, könnte auch eine den zirpenden Laut des Tieres nach-ahmende eigene Bildung sein und wäre dann nicht identisch mit dem ebenfalls onoma-topoetischen griechischen gryllos, grylos, (grullow, grulow) “Ferkel, Meeraal”, das erst byzant.-griechisch (unter lat. Einfluß?) in der Bedeutung Grille vorkommt, vgl. CORO-MINAS 2, 786. Seit dem15. Jh., vereinzelt schon 14. Jh. (Pseudo-Neidhard) wird Grille, ähnlich wie andere Insektennamen (s. M¸cke) im Sinne von “wunderlicher Einfall, Laune” verwendet; die Fügung “Grillen im Kopf haben” (15. Jh.) und den entsprechenden Gebrauch von mnd. grille, nl. gril, mfrz. grillon, ital. grillo, span. grilla. Die ‹Übertragung wird vielleicht begünstigt durch gelehrte Kenntnis eines bei Plinius bezeugten lat. gryllus, “groteske Menschen und Tierdarstellung; Karikatur” (mit deutlichem Bezug hierauf Grillen bei Fischart, 1575), dem wahrscheinlich ein von griech. gryllus “Ferkel” zu trennendes, sonst aber unerklärten griech. gryllos (grullow) als Benennung für einen ausgelassenen Tanz zugrunde liegt. An die Wendung Grillen fangen “wunderlichen Gedanken nachhängen, verdrießlich sein” (17. Jh.) schließt sich die Zusammenbildung “Grillenfänger” m. “wer sich trüber Stimmung hingibt”, älter auch “Phantast, Sonderling” (17. Jh.) an.

2. Die Grille, plur. die -n, eine mühsame mit Nachdenken verbundene Beschäftigung des Gemüthes, in verschiedenen Fällen.
1) Ein jeder seltsamer Einfall. Ich suchte ihm die Grille aus dem Gemüthe zu reden, daß man viele Leckereyen auf der Tafel haben müsse, wenn man vergnügt seyn wolle. Die Stoiker geriethen auf die Grille, daß der Mensch sich von allen Leidenschaften los machen könne. Er hat die Grille, daß er sein Urtheil niemahls ändern will. Das sind Grillen, seltsame Einfälle.
2) In enger Bedeutung, künstliche mühsame Gedanken und Vorstellungen ohne Nutzen. Grillen fangen, solchen Gedanken nachhängen; zu welcher R.A. die Zweydeutigkeit des Wortes Grille Anlaß gegeben, weil das unter diesem Nahmen bekannte Insect schwer zu fangen, und zu nichts zu gebrauchen ist. S. Grillenfang und Grillenfänger.
3) In noch engerer Bedeutung sagt man, doch nur im Plural, im gemeinen Leben und der vertraulichen Sprechart von jemanden, er habe Grillen, oder er mache Grillen, wenn ertiefsinnigen verdrießlichen Gedanken nachhängt, wenn er mürrisch, verdrießlich, eigensinnig ist, und diesen Zustand seines Gem¸thes äu?erlich merken lässet, da man denn einen solchen Menschen selbst auch wohl eine Grille zu nennen pflegt.
4) Im engsten Verstande, doch gleichfalls nur im Plural, sind Grillen, Sorgen, besonders so fern sie sich durch das äußere Betragen verrathen. Grillen haben. Einem die Grillen vertrieben.

Anm. Im Dänischen Grille, im Schwed. Griller. Martinius und nach ihm Wachter leiten dieses Wort von den Grillis, d.i. seltsamen Vorstellungen der Römischen Künstler her, deren Plinius gedenkt, und B. 35, Kap. 10 von einem Mahler Antiphilo sagt: Idem jocoso nomine Gryllum ridiculi habitus pinxit; unde hoc genus picturae grilli vocantur. S. Grillenwerk. Ihre hat den glücklicher entdeckt, welches ihm desto leichter war, da seine Muttersprache noch das Zeitwort graela hat, welches graben bedeutet, so wie grafla das Diminutivum von grafwa, graben, ist, und mit unserm Deutschen grübeln überein kommt. Eine Grille bedeutet also eigentlich eine Grübeley, und diese Abstammung läßt sich aus den Mundarten gar schön bestätigen. Im Nieders. hei?en seltsame Einf‰lle, Grillen, Grappen, Grapjes, gleichfalls von graben; ingleichen Grimpen, welches eigentlich ein Nahme der Gründlinge ist, und ohne Zweifel einen ähnlichen Ursprung hat.
Plinii Meinung entscheidet hier nichts, weil es schon bekannt ist, wie schlechte Etymologen die Römer bey ihrer Unkunde der Nordischen Sprachen waren. Das Latein. Grillus scheinet vielmehr mit dem Deutschen Grille aus einer und eben derselben ältern Quelle herzuflie?en. Es erhellet daraus zugleich, da? die Nebenbegriffe des Seltsamen, und des Unnützen, dem Worte nicht wesentlich ankleben. Indessen irret Ihre, wenn er das Schwed. graela, verwirrt schreyen oder reden, als eine Figur von graela, grübeln, ansiehet. Das erstere gehöret zu dem Nieders. grölen, und ist eine Nachahmung des Lautes.
Band 2. Leipzig 1796, S. 802-803.


Goethe

Ihr liebt und schreibt Sonette! Weh der Grille!
Goethe, Festzug Faust / Mephisto

Ich macht ihm deutlich, daß das Leben
Zum Leben eigentlich gegeben,
Nicht sollt in Grillen, Phantasien
Und Spintisiererei entfliehen.

So lang man lebt, sei man lebendig!


Goethe

So verwirret mit dumpf willkürlich verwebten Gestalten,
Höllisch und trübe gesinnt, Breughel den schwankenden Blick;
So zerrüttet auch Dürer mit apokalyptischen Bildern,
Menschen und Grillen zugleich, unser gesundes Gehirn;
So erreget ein Dichter, von Sphinxen, Sirenen, Zentauren
Singend mit Macht, Neugier in dem verwunderten Ohr;
So beweget ein Traum den Sorglichen, wenn er zu greifen,
Vorwärts glaubet zu geh'n, alles veränderlich schwebt:
So verwirrt uns Bettine, die holden Glieder verwechselnd;
Doch erfreut sie uns gleich, wenn sie die Sohlen betritt.

Georg Friedrich Most

(1843)

Gemüt und Wille
Ist es einerseits Tatsache, dass der Mensch mit schwacher Willenskraft, wenn er sich seinen krankhaften Gefühlen mutlos überlässt, die sogenannte Hypochondria immaterialis, die Grillenkrankheit (nach Kant u. A. nur ein Geschöpf der Einbildungskraft) bekommen kann, und dann, statt sich selbst zu ermannen, ein Heautontimorumenos wird, der sich und seiner Umgebung das Leben verbittert; so ist es andererseits ebenfalls ein Faktum, dass ein kräftiger Wille viele Krankheiten verhüten und heilen kann.


Kant

Die Fehler des Erkenntnißvermögens sind entweder Gemüthsschwächen, oder Gemüths-krankheiten. Die Krankheiten der Seele in Ansehung des Erkenntnißvermögens lassen sich unter zwei Hauptgattungen bringen. Die eine ist die Grillenkrankheit (Hypochondrie) und die andere das gestörte Gemüth (Manie).
(...)
In Ansehung der Sinnenvorstellung ist die Gemüthsstörung entweder Unsinnigkeit oder Wahnsinn. Als Verkehrtheit der Ur-theilskraft und der Vernunft heißt sie Wahnwitz oder Aberwitz. Wer bei seinen Einbildungen die Vergleichung mit den Gesetzen der Erfahrung habituell unterläßt (wachend träumt), ist Phantast (Grillen-fänger); ist er es mit Affect, so heißt er Enthusiast. Unerwartete Anwandlungen des Phantasten heißen Überfälle der Phantasterei
( raptus ).
(...)
Der Einfältige, Unkluge, Dumme, Geck, Thor und Narr unterscheiden sich vom Gestörten nicht blos in Graden, sondern in der ver-schiedenen Qualität ihrer Gemüthsverstimmung, und jene gehören ihrer Gebrechen wegen noch nicht ins Narrenhospital, d. i. einen Ort, wo Menschen unerachtet der Reife und Stärke ihres Alters doch in Ansehung der geringsten Lebensangelegenheiten durch fremde Vernunft in Ordnung gehalten werden müssen. - Wahnsinn mit Affect ist Tollheit, welche oft original, dabei aber unwillkürlich anwandelnd sein kann und alsdann, wie die dichterische Begeisterung ( furor poeticus ) an das Genie gränzt; ein solcher Anfall aber der leichteren, aber ungeregelten Zuströmung von Ideen, wenn er die Vernunft trifft, heißt Schwärmerei. Das Hinbrüten über einer und derselben Idee, die doch keinen möglichen Zweck hat, z. B. über den Verlust eines Gatten, der doch ins Leben nicht zurückzurufen ist, um in dem Schmerz selbst Beruhigung zu suchen, ist stumme Verrücktheit. – (...) Gelinder ist der Ausdruck von einer Grille (Marotte), die jemand bei sich nährt: ein populär sein sollender Grundsatz, der doch nirgend bei Klugen Beifall findet, z. B. von seiner Gabe der Ahndungen, Gewissen dem Genius des Sokrates ähnlichen Eingebungen, Gewissen in der Erfahrung begründet sein sollenden, obgleich unerklärlichen Einflüssen, als der Sympathie, Antipathie, Idiosynkrasie
(qualitates occultae ), die ihm gleichsam wie eine Hausgrille im Kopfe tschirpt und die doch kein anderer hören kann.


Franz Kafka

(Metamorphose)

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigeTräumen aufwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine vielen, im Vergleich zum sonstigen Umfang kläglich dünnen Beine flimmerten ihm hilflos vor den Augen.. (...) “Ach Gott”, dachte er, “was für einen anstrengenden Beruf habe ich gewählt! Tagaus, tagein auf der Reise. [...] Der Teufel soll das alles holen!” Er fühlte ein leichtes Jucken oben auf dem Bauch; schob sich auf dem Rücken langsam näher zum Bettpfosten, um den Kopf besser heben zu können; fand die juckende Stelle, die mit lauter kleinen Pünktchen besetzt war, die er nicht zu beurteilen verstand; und wollte mit einem Bein die Stelle betasten, zog es aber gleich zurück, denn bei der Berührung umwehten ihn Kälteschauer.

Andy Warhol 1975

Ich arbeite gern mit Sachen, die irgendwie übrig geblieben und in Vergessenheit geraten sind. Für diese leftovers habe ich eine Vorliebe. Ich habe schon immer gedacht, dass hinter den beiseite gelegten Resten, die keiner mehr haben will, etwas Lustiges stecken könnte.

Lydia aus dem Netz (2008)

Hallo zusammen, im August habe ich - für meine Spiderlinge - entsprechendes Zwergenfutter gebraucht und wollte Microsteppengrillen. Leider gab es nur noch kleine Heimchen, die ich dann halt genommen habe. Nun hat sich gezeigt, dass die Kleinen überaus gut gedeihen. Im Gegensatz zu den Steppengrillen, die mir relativ schnell weggestorben sind, sind die Heimchen nahezu un-verwüstlich. Ein weibliches Getier habe ich vorhin im Badezimmer eingefangen. Heute Morgen höre ich meinen Mann in der Küche: "Mensch, jetzt hockt so ein Kerl schon hinter meinem Kühlschrank und brüllt!". Der brüllende Kerl ist ein zirpendes Männchen. Hat schon was, seinen Morgenkaffee im Dunkeln (4.45 h) unter Grillenklängen zu genießen! Also nochmal kürzer: in unserer Bude grillt es wie wild! Ähm,die Flaschen-Heimchenfalle habe ich in der Küche ausgelegt. Aber ich denke, ich hole noch Klebefallen dazu. Die Katze ist fast 17 Jahre alt und zwinkert nur noch müde, wenn was vorbei hüpft, fällt also aus als Heimchenfanggetier. Meine eigentliche Angst sind auch nicht fünf oder sechs oder auch zehn entfleuchte Heimchen sondern die Sorge: Vermehren die sich in meiner Wohnung??? Ich hoffe, es gibt eine überzeugende, beruhigende Antwort!
Auf ruhige Nächte,
Grüße, Lydia

Hi zusammen,es ist schön, nicht alleine zu sein im Leid. Nun, toitoitoi, seit gestern ist Totenstille. Klar, jetzt habe ich ja eine Heimchenfalle gekauft, aber noch nicht aufgestellt. Hier gibt's eine Anleitung zur, unter "Bau + Technik", "Grillenkäfig".

Ich denke,das Prinzip ist bekannt.

 

 

4.deinde cessavit ars